Falscher Bekenner
von Peter Schneider • 16. Juli 2006 • Filmbesprechungen, Filmnews

Viele lamentieren, daß im Moment das Kinoprogramm aufgrund des Wetters und des resultierenden Sommerlochs ja nicht so prickelnd sei. Das stimmt ja nur bedingt, lässt man die Multiplexe mal aussen vor. Doch leider ist es uns im Programm-Kino uns diesmal passiert, daß wir in einem Film nur zu zweit saßen. Das kann so nicht bleiben und so möchte ich auf das gesehene Programm hinweisen.
“Falscher Bekenner” ist das Portrait des 17 jährigen Armin, der in einer Kleinstadt in NRW wohnt. Er hangelt sich aus Pflichtgefühl gegenüber seiner kleinbürgerlichen Familie lethargisch von einem Bewerbungsgespräch zum nächsten. Als er eines Nacht nach einem Discobesuch nach Hause läuft, wird er der erste Tatortzeuge eines Autounfalls. Ein Lokalpolitiker ist mit seinem Jaguar frontal in eine Pfeiler gefahren und auf der Stelle tod. Voll morbider Faszination läßt Armin vom Unfallort einen Teil der Radaufhängung mitgehen. Immer wieder in den nächsten Tage fühlt er sich von dem Teil seltsam angezogen. Als der wieder eine von seinen Bewerbungen schreiben soll, entschließt er sich jedoch, ein Bekennerschreiben zu verfassen, indem er sich anonym als Schuldigen für den Unfall offenbar. Das erste Mal zeigt er so etwas an Eigeninitiative.
Der Film ist ganz sicher keiner für die breite Masse, da er sperrig inszeniert ist und zumeist nur Befindlichkeiten schildert. Manche Szenen brechen mittendrin ab und die Auswirkungen dieser werden erst in späteren aufgelöst. Für die Kontinuität ist es nicht zuträglich, daß der Regisseur diverse Traumsequenzen eingebaut hat, die nur durch ihre extremen Inhalte von der der Realität abzugrenzen sind, die einen Ausbruch Armins aus seiner engen Welt symbolisieren. Weiterhin gibt es Momente, in denen der Zuschauer zwischen Erheiterung und Unbehaben schwankt, z.B. bei den Proben für Bewerbungsgespräche im elterlichen Haus.
Ich fand den Film sehr beklemmend und hatte beim Verlassen des Kinos ein leicht taubes Gefühl im Kopf. Nichtsdestotrotz eine gute Erfahrung und ein Blick auf Verhältnisse, die man vielleicht kennt, aber nicht auf diese Art einschätzt: Armin, unverstanden und unfähig aus seinem spießigen Umfeld auszubrechen, gibt er Unfällen duch seine Bekennerschreiben einen Sinn, denn er eigentlich für sich selbst suchen sollte.
