Skip to content
30. Dezember / Peter

Mein Filmjahr 2007

Dieses Jahr bin ich tatsächlich recht selten im Kino gewesen und die besten Filme habe ich auf DVD gesehen. Das ist mir beim Durchstöbern meines Filmtagebuches 2007 aufgefallen. Daher setzt sich meine Liste auch nicht aus Filmen zusammen, die 2007 unbedingt im Kino liefen, sondern die ich ich in diesem Jahr zum ersten Mal gesehen habe einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen haben.

Little Fish
Niemals wieder werde ich “Flame Trees” hören können, ohne weinen zu müssen. Perfekte Charakterstudie, die sich Zeit nimmt und das Ende dadurch so wirkungsvoll gestaltet: Man kann seiner Vergangenheit nicht gänzlich entkommen.

Away From Her
Sarah Polley Regiedebut umschifft alle Klischee- und Pathosfallen, in die ein Film über Alzheimer tappen kann. Mit Fokus auf den Mann, der das langsame Entgleiten seiner Frau mitansieht und schwierige Entscheidungen fällt, werden hier die richtigen Töne angschlagen. Apropos Töne: Auch hier trifft der Song im Abspann eben solche.

Once
Und bleiben wir gleich bei der Musik. “Once” zeigt, wie Musik lebt und gelebt wird. Eine einfache Liebesgeschichte, mit Songs, die durch die Künstler leben und ein lebensnahes Bild, soweit ich das beurteilen kann, von Dublin zeigt. Kaum ein Film war so inspirierend wie dieser dem Jahr. Kurz darauf habe ich mir auch eine neue Gitarre gekauft.

The Prestige
Ich lasse mich gerne vom Regisseur und Drehbuchautoren durch eine Geschichte leiten und versuche nicht, während des Films den Twist zu erraten. Ebendies lies mich “The Prestige” beim ersten Sehen wirklich geniessen. Und auf eine Wiedersehen freue ich mich trotz Kenntnis des Ende.

Little Children
Beklemmendes Vorstadtportrait mit Kate Winslet in Hochform und der Erkenntnis, dass es keinen “easy way out” gibt.

Eastern Promises
Nicht ganz das Überwerk, dass ich erhofft hatte, doch die Präsenz von Viggo, der väterliche Bösewicht von Armin Müller-Stahl und die Szene für die Ewigkeit im Badehaus markieren einen Highlight 2007.

The King of Kong – For a Fistful of Quarter
Den Kampf zwischen den ungleichen Gegner um den Donkey Kong Weltrekord wird zum echten Thriller, obwohl es sich nur um eine Dokumentation handelt. Ein toller Fiesling ist in Billy Mitchell gefunden und den Videospielmikrokosmos kann man wunderbar auf die gesamte Gesellschaft übertragen.

Rocky Balboa
Ich glaube, ich hatte ihn letzte Jahr schon bei meine Highlights – doch habe ich Rocky dieses Jahr noch zwei Mal gesehen, denn ich habe ihn einfach lieb.

The Proposition
Der Psycho-Western, geschrieben von Nick Cave, spielt in Australien. Guy Pierce wird vor die moralische Frage gestellt, seinen Verbrecherbruder zu töten, um seinen jüngeren zu retten. Hypnotische Bilder, das aussergewöhnliche Setting, ein toller Soundtrack und fantastische Hauptdarsteller geben der einfachen Geschichte Tiefe. Ray Winstone braucht keinen Beowulfkörper, um zu beeindrucken.

The Fountain
Darren Aronofskys Trip hat mich doch nachhaltiger beeinflusst, als ich mir erst zugestehen wollte. Da mir der Soundtrack von Clint Mansell sehr gut gefiel, hörte ich in der Folgezeit sehr häufig. So blieben die Bilder und die Stimmung des Films in meinem Kopf und entwickelteten sich. Mittlerweile so stark, dass ich den Film bald erneut schaue, um ihn mit der positiven Haltung zu sehen, die er verdient.

Notes on a Scandal
Mehr Thriller als Drama, was ich eher ich erwartet habe, doch Judie Dench ist so herausragend und vielschichtig als gefühlsunterdrückende und einnehmende Lehrerin, dass der Film hier hingehört.

Junebug
Culturclash Film (beim Genre bin ich nicht sicher, am ehesten “Dramödie”), um eine Museumsberaterin aus Chicago, die in Verbindung mit einem Akquisejob die Kleinstadtfamilie ihres frisch angetrauten Ehemannes besucht. Hier gibt es kein “Großstädter entdeckt sich selbst” Gedusel – das “an die eigene Nase” fassen ist ähnlich wie bei “Little Children” nicht das Allheilmittel. Dreh und Angelpunkt ist die hochschwangere Amy Adams (derzeit mit “Enchanted/Verwünscht” im Kino). Um ihren naiven, dauerredenden und dennoch liebenswerten Charakter rotieren die Neurosen und Ängste. Was bleibt ist die Erkenntnis, dass man niemanden richtig kennt, bis man nicht die ganze Geschichte erfährt und nicht nur die für sich persönlich angenehmsten Details.

Atonement
Besonders die erste Hälfte auf dem Landsitz versprüht eine Atmösphäre zwischen Dekadenz und Beklemmung, wie man sie im modernen Kino schon lange nicht mehr gesehen hat. Vielleicht kann der Film nicht alle Motive des Romans adäquat auf die Leinwand bringen, doch hat er mich sehr nachdenklich hinterlassen. Und als Technikfreund hat mich die lange “One-Shot” Szene am Strand begeistert, die die Eindrücke, die der junge Soldat Robbie haben musste, gekonnt transportiert.

Romance & Cigarettes
Das bessere “Hairspray”. Eher Karaoke als Musical, da die Charaktere über die Songs singen. In etwa wie die Szene in “Magnolia”, als die komplette Besetzung zu “Wise Up” einstimmt – nur hier auf ganze Filmlänge und beschwingter. Wer James Gandolfini wirklich nur aus den Sopranos kennt, sollte einen Blick riskieren. Und ich muss erneut Kate Winslet loben, die mit dem rothaarige Dauerplappermaul Seite von ihr darstellt, die man noch nicht kannte.

Ich versuche, durch eine sorgfältige Vorauswahl, große Entäuschungen zu vermeiden, doch das gelingt nicht immer. Hier meine Stinker 2007 ohne große Worte:
Let’s go to Prison
The Omen (Remake)
In the Land of Women
The Brave One
Resident Evil: Extinction (sorry, Milla)

Film, die alle gute fanden, ich aber nicht
Ratatouille
Die Hard 4.0
Die “Road Movie-/Party-Hälfte” von Superbad

  1. Robert Berning / Dez 31 2007

    Hallo,

    mein Film-Jahr sieht anders aus, aber das ist nicht so wichtig. Ich wollte nochmal loswerden, wie gut mir Ihr Film-Blog gefällt, für mich der beste dieses Jahres! Vielen Dank dafür! Und alles Gute weiterhin!

    Mit freundlichen Grüssen: R. Berning

  2. Peter / Dez 31 2007

    Vielen lieben Dank für das Lob und die Wünsche. Das motiviert so richtig auch im sechsten Jahr weiter zu machen.

  3. Olly / Jan 3 2008

    Vielen Dank. Da habe ich das Kinojahr zu früh verflucht. Werde mir jetzt erstmal Abbitte, The King of Kong, Junebug und Little Children anschauen. Klingen alle extrem gut.

Einen Kommentar schreiben

Comment Spam Protection by WP-SpamFree