• Key Largo (John Huston, 1948)

    von  • 3. April 2008 • Filmbesprechungen

    Gangster in Key Largo (OT: Key Largo)

    YouTube Preview Image

    Der dekorierte 2. Weltkriegssoldat Frank McCloud (Humphrey Bogart) besucht ein Hotel in Key Largo, um sich mit den Hinterbliebenden eines seiner gefallene Kameraden zu treffen. Das Etablissement wird vom Vater und der Witwe des Soldaten geführt. Bald bemerkt McCloud, dass das Hotel von einem Gangster und seiner Gefolgsleuten in Beschlaggenommen wurden. Johnny Rocco (Edward G. Robinson) wurde vor Jahren von dem Gesetz in das kubanische Exil geschickt. Nun nutzt er Key Largo als Umschlagsplatz für seinen Geschäfte. Auch McCloud gerät in seine Gewalt und muss gegen den Grössenwahn von Rocco kämpfen.

    Bis in jede Nebenrolle ist diese Umsetzung eines Theaterstückes treffend besetzt. Bogart passt als desillusionierter und traumatisierter Soldat, doch ist es der Rest des Ensembles der dem Film den letzten Schliff gibt. Lauren Bacall strahlt ihre natürliche Schönheit aus, Lionel Barrymore glänzt als ihr idealistischer Schwiegervater und Edward G. Robinson brilliert in seiner Paraderolle als Gangsterboss im Exil.

    Dem Ursprungsmaterial gemäss bestehen die Schlüsselszene bis auf das Showdown, alle ausschliesslich Dialogen. Regisseur John Huston schafft es durch die für Film Noir typischen und perfekt geschnittenen Grossaufnahmen die Essenz der Charaktere einzufangen:

    Key Largo (John Huston, 1948) Key Largo (John Huston, 1948) Key Largo (John Huston, 1948)
    Key Largo (John Huston, 1948) Key Largo (John Huston, 1948) Key Largo (John Huston, 1948)

    Interessanterweise wirkt der Film wie eine invertierte Version von “Der versteinerte Wald” (OT: The Petrified Forest) [Trailer], der Bogarts Durchbruch im Film bedeutete und ebenfalls eine Bühnenadaption ist. Die Grundprämisse ist sehr ähnlich. In einem abgelegenen Diner, dass von Vater und Tochter geführt wird, fällt ein Gangster auf der Flucht ein und hält Gäste und Angestellte als Geisel. Im Gegensatz zum Meer um die Insel von Florida symbolisiert hier die Wüste von Arizona die Isolation. Zudem darf Bogart in “Key Largo” seine gute Seite entdecken, wohingegen in “Der versteinerte Wald” als Bösewicht mit Gerechtigkeitssinn (den Edward G. Robinson überhaupt nicht besitzt) eine bleibenden Eindruck hinterliess.

    Ebenso stehen auch die Intentionen der weiblichen Protagonisten im Kontrast. Bette Davis will dem Diner in der Wüste entfliehen und sieht im umherstreunenden Intellektuellen Leslie Howard (der wiederrum das Gegenteil vom grobschlächtigen Bogart in “Key Largo” ist) ihre Chance zum Ausbruch. Lauren Bacall hingegen gesteht recht früh, dass ihr im Krieg gefallener Mann Wurzeln gegeben hat. Ihre Person ist der ruhende Pol in dem Film, der Magnet zu dem es Bogart hinzieht. Das offenbart auch die einzige Schwachstelle des Films: Bogarts Gesicht ist einfach nicht zum Lächeln gemacht.

    Aber ansonsten gebe ich “Key Largo” eine klare Empfehlung, der einen nicht ganz typischen Film Noir markiert. Den heissen Trip nach Florida werde ich so schnell nicht vergessen.

    [imdb]0040506[/imdb]

    Über

    It's mostly about the movies ... mostly.

    http://about.me/peter.schneider