• Quantum of Solace

    von  • 17. November 2008 • Filmbesprechungen

    Kommen wir gleich zum Punkt: Leider hat sich heraus gestellt, daß meine neu entdeckte Liebe für das James Bond Franchise nur ein Strohfeuer, entzündet durch den tollen “Casino Royale“, war. Jemand sollte mit der Second Unit und dem Cutter sprechen, den scheinbar hat Regisseur Marc Forster sich nicht im Griff. “Quantum of Solace” hat das Unmögliche geschafft: Ich habe mich in den Actionsequenzen gelangweilt. Ironischerweise ist der aktuelle Streifen meines Wissens nacht der kürzeste Film der Reihe, fühlte sich aber wie einer der längsten an.

    In “Casino Royale” war für den Zuschauer nachvollziehbar, was Bond zu einem Ausnahmeagenten in Extremsituationen macht. Seine Antizipationsgabe ist unschlagbar. Ein kurzer Blick in die Umgebung und der effizienteste Weg wurde gefunden. Ansatzweise ist diese Vorgehensweise auch in in “Quantum of Solace” zu finden, doch muss man schon genau aufpassen und vorher am besten Augentropfen benutzen, denn ein Wimpernschlag später ist dieser Entscheidungsmoment vielleicht schon vorbei. Es ging sogar soweit, daß ich mich auf ein paar ruhige Momente in den Dialogszenen freute. Leider waren es nicht die tiefen Einblicke in das mit Rache erfüllte Herz des Doppel Null Agenten, die man von einem Charakter Regisseur wie Forster (u.a. “Monster’s Ball“, “The Kite Runner“) erwarten darf.

    Paul Haggis, Neal Purvis und & Robert Wade, die sich auch schon das Drehbuch zu “Casino Royale” verantwortlich waren, schienen sich nicht so recht zwischen der persönlichen Vendetta der beiden Hauptcharaktere und dem finsteren Plan des aktuellen Bösewichts entscheiden zu können. Keine der beiden Handlungsstränge mochte zu fesseln, was sehr schade ist, da als Drahtzieher der französische Schauspieler Mathieu Amalric, der eine grandiose Leistung in “Schmetterling und Taucherglocke” abelieferte. Sein stechender Blick wurde zumindest einmal effektiv eingesetzt, aber ansonsten blieb er doch überraschend blass. Gleiches gilt für seinen Handlanger. Er wird prominent vorgestellt, nur um ihn in einem kurzen Augenblick aus dem Weg zu räumen, so dass ich mich frage, weshalb vor dem Filmstart so viele Publicity Bilder von diesen Schauspielern gemacht wurden.

    Ein weiterer seltsamer Effekt dieses Films ist, daß eine sonstige Stärke in den Hintergrund gedrängt wird. Obwohl auch hier ein häufiger Locationswechsel statt findet, ist das Prägnanteste, an das ich mich in diesem Zusammenhang erinnere, die Texteinblendungen. Diese wurde doch sehr kreativ in den Filmfluss eingebunden, die folgenden Szenen konnten damit aber nicht mit halten. Die Zeit, um ein Gefühl für einen Ort zu bekommen, wird dem Zuschauer leider nicht gegeben. Ebenso gehetzt, wir die Action, werden die Reiseziele abgearbeitet.

    Einzig Daniel Craig lässt in einigen Dialogszenen seinen Charme aufblitzen, der andeutet, daß er sich mit diesem Film der klassischen James Bond Rolle angenähert hat. Besonders in den Momenten mit Gemma Arterton als Agentin Fields, die Bond zurück nach London bringen soll, blitzt eine Hauch des 007 der Connery Ära auf und Arterton kommt einem klassischen Bondgirl in den bisherigen beiden Craig Filmen am nächsten. So nah, daß es sogar in einer Goldfinger Hommage endet. (Link enthält Spoiler).

    Viel mehr hätte ich mir solchen Momente gewünscht. So lautet mein Fazit für “Quantum of Solace” leider: Abhaken und vergessen als Übergangfilm, wenden wir uns jetzt bitte neuen Geschichten zu. Das hätte ich vor dem Kinobesuch auch nicht gedacht, sehr schade. Gerade weil ich den eleganten “Casino Royale” noch am selben Tag sah, wirkte sein Nachfolger leider sehr unbehände. Vielleicht hat sich der Neuheiten Faktor aber auch einfach nur abgenutzt, denn so sehr ich mich freute, im letzten Film mit Craig eine Bondreinkarnation zu sehen, die dem Charakter neue Facetten bringt, habe ich jetzt gemerkt, wie wenig mich die Standard Plotenwicklung eines Standard 007 Abenteuers interessieren, die in den letzten Brosnan Bonds wirklich zu Tode geritten wurden.

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