Filmbesprechungen

Die Filme meines Lebens #1 – 1973

1973

Ein gewagtes Unterfangen, das ich hier starte, bedeutet es doch viel Arbeit. Allerdings wollte ich immer schon meine Lieblingsfilme der jeweiligen Jahre finden. Anfangen möchte ich mit meinem Geburtsjahr, von dem ich weiter in die Gegenwart bewege. Und nach Zusammenstellen der Top 10 muss ich feststellen, daß ich einen guten Jahrgang als Start gewählt habe. Mitten in der New Hollywood Bewegung enstanden 1973 einige meiner allgemeinen Favoriten, daß ich kaum glauben kann, diese sind in den selben 12 Monaten enstanden.

#1
Badlands„, Regie: Terrence Malick
Vielleicht einer meiner Lieblingsfilme überhaupt. Die tiefe unbewußte Sehnsucht im Voice Over von Sissy Spacek, Mallicks berühmte Naturaufnahmen und Martin Sheens charismatischer und am Ende doch bemittleidenswerter Rebell rühren mich jedesmal. „True Romance“ verdankt nicht nur die Monloge von Patricia Arquette, sondern übernahm auch eine abgewandelte Version des in „Badlands“ verwendenten Thema von Carl Orff. ([1] [2].

#2
The Exorcist, Regie: William Friedkin
Das Exempel für perfektes psychologisches Horrorkino. Die langsame Unterbau in der ersten Stunde wird von der schieren Obszönität, die aus dem Mund der jungen besessenen Regan kommt eingerissen. Und es bleibt bekanntermassen nicht nur bei verbalen Ergüssen.

#3
American Graffiti, Regie: George Lucas
Der Erfolg von „American Graffiti“ erlaubte es Lucas, sein Traumprojekt „Star Wars“ umzusetzen, doch bleibt die Hommage an das Ende der Rock’n’Roll Ära sein persönlichster Film. In dieser Nacht von 1962 liegt etwas in der Luft, etwas geht zu Ende und das liegt nicht nur am Highschoolabschluss der Clique, um den sich der Film dreht. Das Konzept des Films geht voll auf. Lucas hat die Szenen des Films zu den Hits der Zeit geschrieben und verzichtete auf einen herkömmlichen Score. Das gibt den Film einen unglaublichen Rythmus, daß man ihn wie einen guten Song immer wieder sehen kann. Das ist allerdings auch der augezeichneten Besetung zu verdanken.

#4
Don’t look now, Regie: Nicolas Roeg
Nach dem Exorzisten ist auf Platz 4 ein weiterer Gänsehautgarant. Der Verlust ihres Kindes lässt das Ehepaar Donald Sutherland und Julie Christie auf irrationale Weise den letzten Strohalm greifen, wenn es um Hoffnung auf ein Wiedersehen geht. Konsequent greift der Film diese Hoffnung auf und wandelt sie in unbegreiflichen Schrecken.

#5
Paper Moon, Regie: Peter Bogdanovich
Der Film lebt von der Chemie zwischen Ryan O’Neil und seiner Tochter Tatum. Was das junge Mädchen hier leistet ist unglaublich und gewann mit gerade 10 Jahren den Oscar für diese Rolle. Ein Roadmovie zwischen Drama und Komödie – für mich eine gelungene Mischung.

#6
El Espiritu de la Colmena, Regie: Victor Erice
Ein Film, der in Honig getaucht wurde und das nicht nur optisch, wie die goldene Farbe über weite Strekcken vermuten lässt. Erice fängt die Isolation und die Orientierungslosigkeit der Kindheit wunderbar und stellt sie immer wieder in Kontrast zu dem geordneten Bienestock, den der seinem Nachwuchs entfremdete Vater hütet. „Spirit of the Beehive“, wie der Film international heißt (hierzulande „Der Geist des Bienenstocks“) erzählt mit wenigen Worten sehr Film und fordert den Zuschauer zur Auseinandersetzung mit dem Stoff heraus. Die hauptsächliche Fokussierung auf die Erzählweise der Geschichte aus Kinderaugen lässt die Erwachsenenprobleme zu Randerscheinungen werden, was sie natürlich nicht sind. Denn sie sind die Auslöser für die Fantasien, die das junge Mädchen nach der Sichtung von „Frankenstein“ entwickelt. Aufgeführt wird der Horrorklassiker von einem Wanderkino, das für das Dorf in der Einöde Spaniens der 40er Jahre zum fiktiven Fenster zur Welt wird.

#7
The Sting, Regie: George Roy Hill
George Roy Hill schafft das Kunstwerk, einen Heistfilm zu drehen, der auch dann noch unterhaltsam bleibt, wenn man „den Clou“ schon kennt. Das aus „Butch Cassidy and the Sundance Kid“ bewährte Team von Paul Newman und Robert Redford sorgen hier auch wieder für eine Charmeoffensive.

#8
The Wicker Man, Regie: Robin Hardy
Ein deutliches Produkt der 70er, das auch ein Grund ist, weshalb das Remake nicht funktionieren konnte, trotz der Aktualisierung der Gemeinschaft. Für mich ein hypnotischer Film – und damit meine ich nicht nur den unvermittelten Nackttanz von Britt Ekland, sondern die gesamte sureale Stimmung auf dem seltsamen Eiland. So verloren wie der tiefgläubige Sergeant Howie gegenüber den heidnischen Ritualen war, fühlte ich mich auch beim ersten Sehen des Films – aber auf eine gute Art und Weise. Diese Bauchgefühl bleibt auch beim erneuten Besuch auf Christopher Lees Insel. Interssanterweise arbeitet Regisseur und Autor Robin Hardy derzeit an der filmischen Umsetzung der Fortsetzung „Cowboys for Christ„, die allerdings schon einige Male verschoben wurde. Gerüchterweise soll Lee in dem Sequel seine Rolle aus „The Wicker Man“ erneut übernehmen.

#9
Mean Streets, Regie: Martin Scorsese
Martins Scoreses erster „richtiger“ Film nachdem er mit „Boxcar Bertha“ für Produzent Roger Corman wichtige Erfahrungen gesammelt hat, wie man einen Film günstig und effizient dreht. Viele seiner Markenzeichen sind hier schon vorhanden: Die langsamen Trackingshots, der gelungene Einsatz von Songs (meine Lieblingsszene ist „Jumpin‘ Jack Flash„). Hier sind Harvey Keitel und Robert De Niro ganz klar in ihrem Revier, das Scorsese aus seiner Jugend so gut kennt und so gut wie kein anderer visualisieren kann.

#10
Enter the Dragon, Regie: Robert Clouse
Dürftige Geschichte, flache Charaktere aber ein Hauptdarsteller mit einer messerscharfen Präsenz. Bruce Lees letzter vollendeter Film und sein erster Hollywoodfilm. Lee perfektioniert seinen für die Leinwand sehr realistisch anmuten Kampfstil und benutzt auch in einer Sequenz die Nunchuks mit tödlicher Präzesion. Alles war nach ihm kam, waren Plagiate.

3 Comments

  • 29. August 2009 - 12:32 | Permalink

    sehr nette idee. weiter so!

  • 3jH
    30. August 2009 - 19:00 | Permalink

    Tolle Idee, bin sehr gespannt wie es weiter geht. Und bekomme gerade auch Lust, selbst mal „die Filme meines Lebens“ aufzuschreiben. Gruß Björn

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