Filmbesprechungen

Filmimpressionen #6

Mit den Eindrücken von kürzlich gesehenen Filmen, bekommt auch die Webseite ein neues Gewand. Ich habe bewußt ein Theme gewählt, das sich etwas vom Bloglayout abhebt und erhoffe dadurch mehr Übersicht. An manchen Ecken wird noch erweitert und optimiert (vielleicht fasse ich die Farben auch nochmal an), aber ihr könnt schon mal eure Meinung in die Kommentare schreiben.

The Brothers Bloom (2008)
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Im Vorfeld habe ich mich absichtlich an eine kurze Leine gebunden, was Berichterstattung und Artikel zu Rian Johnsons („Brick„) aktuellem betraf. Das was ich sah, hat mir so außerordentlich gut gefallen, daß ich den Film als Gesamtwerk sehen wollte und nicht als Flickenteppich aus vorab gesehen Clips. So wurden meine Erwartungen natürlich immens nach oben geschraubt, die natürlich nur schwer zu erfüllen waren. Der farbenfroh inszenierte Film (ein Lob an die Ausstatter und Location Scouts) gibt sich als Mischung aus klassischem Trickbetrügerfilm mit einem leichten Geschmack nach Wes Anderson. Etwas über das Ziel hinausgeschossen wurde dann doch mit den Betrügereien, denn wie die Opfer fiel es mir schwer durch das immer mehr auftretende mangelnde Vertrauen in die Figuren, diese auch zu verstehen. Ein großes Lob muß aber an Rachel Weisz gehen, die hier eine erfrischende Mischung aus Naivität und Wagemut spielt. Vielleicht kann ich die Bloom Brüder ein zweites Mal sogar etwas mehr genießen. Denn ähnlich wie bei „Brick“ muß man sich hier auf die zeitlos erscheinende Welt einlassen, die Johnson konstruiert.

Les lèvres rouges (1971)
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Eine moderne Interpretation die Geschichte des weiblichen Vampirs Carmilla, die sich hier einem jungem Paar ermächtigt. Angereichert wurde der Film mit den in den 70er Jahren beliebten Motivs der lesbischen Vampire. Hier wird viel auf Atmosphäre gesetzt. Der Blutgehalt, sowie nackte Haut halten sich in Grenzen, was den Film nicht in eine Reihe mit Jean Rollin und Jess Franco stellt. So ist der langsam erzählte „Les lèvres rouges“ weniger als Horrorerotik zu sehen, sondern wirkt eher wie ein verfilmter Fiebertraum, was vor allem dem imposanten verlassenem Hotel zu verdanken ist. Die außersaisonale Abgeschiedenheit braucht sich nicht vor „Shining“ zu verstecken.

Frequently Asked Questions About Time Travel (2009)
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Eine nette Zeitreiseidee, sympathisch geekige Charaktere und eine Romanze, die von der Konstallation aus einem Appatow Film stammen könnte – das sind die Zutaten von „FAQ about Time Travel“. Leider will der Film nicht so richtig zünden, das kann auch unser aller Liebling, der sympathische Chris O’Dowd („The IT Crowd„) nicht helfen. Zu sehr wirkt das Gesehene wie eine Pilotfolge einer TV Serie. Aus der epischen Idee wurde ein Katz und Maus Spiel durch die Zeit gemacht, mit einigen originellen Dialogen, aber verschenkten Potential, um langfristig im Gedächtnis zu bleiben. Empfehlen kann ich den Film für einen regnerischen Sonntag Nachmittag.

Jerichow (2008)
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Das Beste zum Schluß. Ich bin ein großer Freund von Christian Petzolds sogenannter „Gespenster Trilogie„, welche die Filme „Die innere Sicherheit„, „Gespenster“ und „Yella“ umfasst. Den Bogen zu seinem letzten Film „Yella“ schlägt Petzold, indem er auch hier einen Filmklassiker als Motiv für seine Figurenkonstallation heran zieht. War es zuvor noch „Carnival of Souls„, wird nun „The Postman always rings twice“ in die ostdeutsche Stadt mit dem biblischen Klang versetzt. Der ehemalige Soldat Thomas (Benno Fürmann), der in Afghanistan stationiert war, kehrt in sein Heimatdorf zurück, um seine Mutter zu begraben. Von seinen Schulden heimgesucht, bezieht er das Elternhaus und versucht sich mit Minijobs über Wasser zu halten. Zufällig lernt er den wohlhabenden Türken Ali (Hilmi Sözer) kennen, dem eine Kette von Imbissbuden gehört. Thomas wird aufgrund seiner angelernten Kampftechniken nur zu gern von Ali als Eintreiber eingestellt. Ali selbst bewohnt mit seiner Frau Laura (Nina Hoss) eine im Wald abgelegenes Haus, von dem aus die Rundfahrten zu den Imbissen startet. Zwischen Thomas und Laura entfacht eine leidenschaftliche Affäre, doch scheint Laura ein Geheimnis zu hüten, daß sie an Ali bindet, was zu einer fatalen Entscheidung führt.

Petzold war schon immer ein Meister der Andeutung. Auch in „Jerichow“ brauchen seine Figuren nur grobe Eckdaten, um sie verständlich zu machen. Allein das Handeln und die Interaktionen offenbaren soviel von den Wunden, dass es keiner großen Worte bedarf. Als diese dann Fallen, wirken sie nur wie eine Bestätigung. Benno Fürmann passt mit seiner Körperlichkeit so gut wie in noch keine andere Rolle bisher und Petzolds Lieblingsschauspielerin ist grandios, wie fast immer. Hier ein Mikrokosmos erzeugt, in dem das, was für die Charaktere auf dem Spiel steht, in jeder Minute zu spüren ist. Ich hatte durchgehend ein unstetes Gefühl der Gefahr in der Magengegend und wurde mit einem Ende belohnt, dass ich so schnell auch nicht vergessen werde.

3 Comments

  • 9. November 2009 - 15:02 | Permalink

    Und mit dem alten Design auch die Rechtschreibkorrektur gekickt? 😉

  • 9. November 2009 - 15:05 | Permalink

    Ja, mache halt alles parallel. Schreiben und Layout umstellen, da bleibt schon mal einiges auf der Strecke. Ich arbeite dran – da waren aber auch schon Klöpse in den ersten zwei Sätzen, aber ich schreib die ja auch vom Krankenbett aus 😉

  • 9. November 2009 - 16:00 | Permalink

    The Brothers Bloom: Wie Rachel Weisz regelmäßig den Lamborghini zu Schrott fährt oder damit den überdimensionalen Koffer zum Hafen bringt wirkt so unglaublich charmant…

    FQATT: War mir viel zu unübersichtlich. Vielleicht liegt mir die vierte Dimension nur einfach nicht, aber das ständige Hin- und Hergespringe war mir für eine Komödie dann doch ein wenig zu anstrengend.

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