Filmbesprechungen

Lieber alternativ: 8 Frauen und ihre jungen Männer

Die Woche „zwischen den Tagen“ ist traditionell ein undankbares Startdatum für Kinofilme, weshalb die Neuerscheinungen dünn gesät sind. Der interessansteste Film diese Woche ist für mich das Adoptionsdrama „Casa de los babys“ und der verzichtbarste die RomCom „Lieber verliebt„. Darin findet die nach New York geflüchtete Ehefrau Catherine Zeta-Jones Gefallen an einem 15 Jahre jüngeren Mann, der zunächst nur als „Kindermädchen“ geplant war. Soweit, so langweilig.

Nun habe ich mir einige Gedanken gemacht, um einige gute Alternativen zu finden, die sich auch mit Beziehungen befassen, in denen der weibliche Teil den älteren darstelllt.

The Graduate
Räumen wir zunächst die offensichtlichen Kandidaten aus dem Weg. Der Prototyp des sogenannten Cougars, der mit „Cougar Town“ mittlerweile auch eine eigene Serie hat, ist mit Sicherheit Mrs. Robinson aus „The Graduate„. Die Verführung des jungen Benjamins fällt ihr aufgrund dessen Ziellosigkeit unerwartet leicht, auch wenn die Beziehung auf Sand gebaut ist. Dieser sackt ab, als Mrs. Robinsons Tochter Elaine auf der Bildfläche erscheint.

Harold & Maude
Ganz oben auf der Liste und mit einem rekordverdächtigen Altersunterschied von 62 Jahren stehen auch „Harold & Maude“. Harold, ein Teenager, der mit Suizidinszenierungen um Aufmerksamkeit ringt, trifft auf einer Beerdigung die lebenslustigen 79 Jahre alte Maude. Durch sie wird in Harold eine Leidenschaft entfacht, die über die Beziehung hinausgeht.

Sunset Blvd.
Mehr von Abhängigkeiten ist das Verhältnis von William Holden und Gloria Swanson in „Sunset Blv.“ geprägt. Zunächst als Autor engagiert, um den Comebackfilm des ehemaligen Stummfilmstars Norma Desmond zu schreiben, fühlt sich Holden bald gefangen im Hause und Banne der Diva. Wilders Situationsbeschreibung von Hollywood nach dem Durchbruch des Tonfilms gehört für mich zu einem der besten Filme überhaupt: Viellschichtig, technisch vom Feinsten und mit einer schauspielerischen Leistung für die Ewigkeit von Gloria Swanson: „I am big. It’s the pictures that got small!

Notes on a Scandal
Dem unbequemen Thema einer sexuellen Beziehung zwischen Schüler und Lehrerin widmet sich „Notes on a Scandal“. Der Skandal bildet zwar nicht den Dreh- und Angelpunkt des Films, doch ist er der Stein der die Thrillerhandlung in Gang bringt. Denn die doppelbödige Darstellung von Judy Dench, die eine von der Beziehung wissende Kollegin spielt, ist eindeutig das Highlight des Films. Ihre Klammerung an Cate Blanchett mit den damit verbundenen Forderungen erwirken auch bei dem Zuschauer ein unstetes Gefühl.

Dear Zachary: A Letter to a Son About His Father
Von der Fiktion zur bitteren Realität: „Dear Zachary“ ist der sehr persönliche Dokumentarfilm des Filmemachers Kurt Kuenne. Er verstand den Film zunächst als Botschaft für den Sohn seines ermordeten Freundes Andrew Bagby. Bagby, ein Arzt aus Pennsylvania, wurde auf einem Parkplatz erschossen. Kurz vorher hatte er die Beziehung zu der 12 Jahre älteren Shirley Turner beendent, die unmittelbar nach dem Mord, obwohl als Hauptverdächitgte gesucht, nach Kanada flüchtete. Einige Monate später wurde bekannt, dass sie mit dem Kind von Anndrew schwanger ist. In Kanada durch Kaution auf freiem Fuss, bekam sie das Sorgerecht für ihren Sohn, trotz der eindeutigen Beweise für ihre Schuld. Zu dem Zeitpunkt ändert sich der Schwerpunkt des Films auf den Kampf der Großeltern für ihren Anspruch auf den Enkel. Was im Laufe der Drehzeiten dann passiert ist nicht nur aufgrund des kruden Verständnisses der Gesetzesauslegung, äußerst schockierend.

Y tu mamá también
Zu einer Beziehung müssen nicht immer nur zwei gehören. Nachdem die besten Freunde Tenoch und Julio von ihren Freundinnen verlassen wurde, wollen sie der älteren Lusisa imponieren. Sie erzählen ihr von einem Roadtrip zum einem geheimen Strand namens „Boca del Cielo“. Die Reise durch bisher unbekannte Gebiete des Heimatlandes wird zu einer abwechslungsreichen Coming-of-Age Geschichte. Sexuell aufgeladen, voller Spannungen und konfrontiert mit der harten Realität nimmt die Selbsterfahrung diverse Umwege. Ein sehr bunter Film, der genreübergreifend funktioniert und den Weg für die internationale Karriere von Gael García Bernal ebnete.

Arizona Dream
Johnny Depp lässt sich von seinem Bruder (Vincent Gallo) überreden, der Trauzeuge seines Vaters (Jerry Lewis) zu sein. Im fernen Arizona soll auch in das Gebrauchtwagengeschäft der Familie einsteigen, was er widerwillig auch tut. Doch mehr und mehr entgleitet er der Realität, was er einer sehr wechselhaften Beziehung zu der verwitweten Faye Dunaway und, was die Lebensumstände erschwert, auch zu deren Tochter (Lili Taylor) verdankt. Der Film wird von surrealen Situationen durchzogen und von dem Traum des Fliegens getragen, dass er geradezu schwerelos wirkt. Regisseur Emir Kusturica weiß genau, wie man unvergessliche Bilder inszeniert und verschließt sich trotz oftmaliger Realitätsflucht der Protagonisten nicht dem harten Boden des Lebens.

Hallam Foe
Vom Selbstmord seiner Mutter traumatisiert verdingt sich der Teenager Hallam Foe seine Tage mit dem geheimen Beobachten seiner Mitmenschen. Den Schuld am Tod seiner Mutter gibt er seiner Stiefmutter, was zu häufigen Diskussionen mit seinem Vater führt. Nachdem einer dieser Streits eskaliert, flüchtet Hallam nach Edingburgh. Dort entdeckt er ein neues Objekt seiner Begierde. In Kate Breck sieht er eine starke Ähnlichkeit zu seiner Mutter und lebt an ihre seine voyeuristische Ader aus. Er kommt sogar mit ihr in Kontakt und sie verschafft ihm einen Küchenjob, nichts von Hallams Veranlagung ahnend. So lässt sie sich auch auf eine Affäre ein, die natürlich unter keinem guten Stern steht. Der steinige Reifungsprozess von Hallam Foe werden in einem teils sehr unbequemen Film erzählt, der vor allem von Ex-Billy Elliot Jamie Bell getragen wird.

3 Comments

  • 6. Januar 2010 - 14:18 | Permalink

    Allesamt großartige Filme.. Arizona Dream..danach dürstet es mich gerade wieder, hach diese Quetschkommode mit dieser Melodie, traumhaft wie der ganze Film.. 🙂

  • 6. Januar 2010 - 17:10 | Permalink

    Das gehört auch zu einem der vielen Lieblingsbilder aus dem Film:

    What I was watching

  • 6. Januar 2010 - 17:29 | Permalink

    Ganz genau! Hach. Schwärmerei und Träumerei. Einfach bezaubernd.

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