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Das waren die Oscars 2010

Da wird der wichtigste Preis der kommerziellen Filmindustrie von zwei alten Hasen des Business präsentiert, zwei die niemanden mehr etwas beweisen müssen. Alec Baldwin und Steve Martin, zwei Schauspieler, die mit dem richtigen Material zu Höchstleistungen auflaufen können. Doch das alle passte an diesem Abend nicht. Die Veranstaltung wurde überraschenderweise mit einer Shownummer von Neil Patrick Harris eröffnet, einer der größten Charmegaranten, die die Unterhaltungsindustrie zu bieten hat. Doch leider war der Vortrag mehr „ein Kessel Buntes“ (danke an @marthadear für den Vergleich) als Hollywood und kein Vergleich zu seiner spritzigen und cleveren Emmy Erföffnung.

Der folgende (eigentlich ja nicht mehr) Monolog mit Steve Martin und Alec Baldwin glich mit seinen angestaubten Witzen leider eher einer Karnevalsveranstaltung. Es ist zwar üblich, dass die Präsentatoren ein wenig Namedropping mit dem Publikum machen, doch dieses „Hey, there’s … [put in joke]“ schmeckte schon schnell schal. Kein Vergleich zu der frischen und mit einem Strahlen vorgetragenen Eröffnung von Hugh Jackman letztes Jahr. Auch die wenigen Einspieler mit den beiden Moderatoren wirkten eher wie eine Folge „Harald & Eddie„, als Programm für eine der größten Shows der Welt. Man merkte leider, dass gerade Baldwin auf so hervorragend geschriebenes Drehbuch wie in „30 Rock“ angewiesen ist und an ihm beileibe kein geborener Präsentator verloren gegangen ist.

Was die Preisverleihung an sich betrifft, scheint man sich jedes Jahr mehr an die Golden Globes annähern zu wollen. Das Rahmenprogramm wurde immer mehr reduziert, die nominierten Songs wurden nicht mehr vorgetragen und auch das Vorstellen der potentiell besten Schauspieler durch Kollegen hat stark an Glamour veloren. Aus dem Rahmen fiel Ben Stiller, der sich bei derartigen Zeremonien immer Mühe gibt und beweist, „Avatar“ hätte auch ohne CGI gedreht werden können.

Den Regie Oscar bekam zu ersten Mal in der langen Geschichte des Preises eine Frau, den in einer guten Wahl Barbara Streisand an Kathryn Bigelow überreichen durfte. Beinahe untergegangen, weil Tom Hanks das Ergebnis ohne große Umschweife im Anschluß verkündetet ist die Auszeichnung für „The Hurt Locker“ als bester Film. Sonst gab es wenig Überraschungen. Die Schauspieloscars wurde alle nach Plan vergeben und auch wenn Mo’nique für „Prescious“ durchaus verdient gewonnen hat, hätte ich gerne Anna Kendrick für ihre Arbeit in „Up in the Air“ dort oben gesehen, denn sie war das Herz des Films und hat ihn über einige Strecken auch gerettet. Sandra Bullock schaffte ein beeindruckendes Double diese Jahr: Sie gewann sowohl die „Goldende Himbeere„, als auch den Oscar als beste Schauspielerin. Mir ist nicht bekannt, daß dies schon mal jemand geschafft hat. Das großte Verwundern hat vielleicht der Auslandsoscar erzeugt, den weder „Das weiße Band„, noch „Un prophète“ gewinnen konnten. Er ging nämlich an “El Secreto de Sus Ojos” aus Argentinien.

Im Anhang des Artikels findet ihr alle Gewinner des Abends.

Bester Film: “The Hurt Locker” (Produktion Kathryn Bigelow)
Hauptdarstellerin: Sandra Bullock, “The Blind Side”
Hauptdarsteller: Jeff Bridges, “Crazy Heart”
Nebendarstellerin: Mo’Nique, “Precious”
Nebendarsteller: Christoph Waltz, “Inglourious Basterds”
Regie: Kathryn Bigelow, “The Hurt Locker”
Nicht-englischsprachiger Film:: “El Secreto de Sus Ojos”, Argentinien
Adaptiertes Drehbuch: Geoffrey Fletcher, “Precious”
Original-Drehbuch: Mark Boal, “The Hurt Locker”
Kamera: Mauro Fiore, “Avatar”
Schnitt: “The Hurt Locker”
Ausstattung: “Avatar”
Kostümdesign: Sandy Powell, “The Young Victoria”
Ton: “The Hurt Locker”
Ton-Schnitt: Paul N.J. Ottosson, “The Hurt Locker”
Maske: “Star Trek”
Spezial-Effekte: “Avatar”
Original-Filmmusik: Michael Giacchino, “Up”
Original-Song: “The Weary Kind” aus “Crazy Heart”
Kurzfilm: “The New Tenants”
Animationsfilm: Pete Docter, “Up”
Animations-Kurzfilm: Nicolas Schmerkin, “Logorama”
Dokumentarfilm: “The Cove”
Kurz-Dokumentarfilm: “Music by Prudence”

2 Comments

  • 8. März 2010 - 19:56 | Permalink

    Und kein Wort ueber eventuelle „deutsche“ (sprachige) Oscars? 😛

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