Filmbesprechungen

Fantasy Filmfest Nights 2010 Meinungen – Teil 1: Splice und Daybreakers

Vom 27.03. – 28.03. habe ich die „Fantasy Filmfest Nights 2010“ besucht und einige Genrefilme gesehen, die ihren Weg nach Deutschland noch finden müssen – sei es auf DVD oder im Kino.

Splice

Der Film, der mich in erster Linie nach Köln fahren liess, war „Splice“. Ich bin ein großer Verteidiger der Filme von Vincenzo Natali („Cube„, „Cypher„, „Nothing„), so daß ich sehr gespannt war, wie sein Interpretation eines Genhorrorfilms aussehen würde und wurde überrascht, dass sich der Horror in Grenzen hielt aber zum Teil moralische Fragen aufgeworfen wurden, die man bisher noch nicht so häufig umgesetzt gesehen hat.

Sarah Polley und Adrien Brody spielen ein junges Genwissenschaftler Paar mit Rockstarattitüde, die aus dem Erbmaterial vieler nichtmenschlicher Spezies eine neue Lebensform geschaffen habe, die für die Medizin den Durchbruch darstellen soll. Ergebnisse müssen schnell her, sonst wird ihr Labor geschlossen. Den ultimativen Schritt, nämliche menschliche DNA in das Experiment einfliessen zu lassen, und somit eine höhere Erfolgsrate bei der Produktgewinnung zu erreichen, lehnt der Vorstand des Konzerns aus ethischen Gründen (noch) ab. Das hält die beiden jedoch nicht auf, sie führen den Versuch im Geheimen durch – mit bahnbrechenden Erfolg. Eine neue Lebensform entsteht, die in den Wissenschaftlern verborgende Seiten zu Tage bringt.

Es ist spannend zu sehen, wie Natali aus dem potentiellen Horrorstoff nicht den Cronenbergschen Weg des Bodyhorrors geht, sondern zu einem großen Teil an den Konsequenzen für die Schöpfer interessiert ist. Etwas typisch für den Regisseur ist, daß die Charaktere durch ihre essentielle Rolle im Dienste der Geschichte an Glaubwürdigkeit verlieren. Ein Natali Film ist auch immer ein Film mit Blick auf das große Ganze, so daß man schon mal einen Schritt zurück treten muss. Dabei bleibt natürlich eine differenzierte Charaktereinführung etwas auf der Strecke. Gerade Sarah Polleys Figur mit ihrem angedeuteten Trauma wirkt eher wie ein Kniff für das Drehbuch. Ich kann diese zeitweilige Distanz zu den Protagonisten allerdings sehr gut verschmerzen, den Natali geht das Thema des Wissenschaftshorrors sehr vielschichtig an. Dabei bleibt der Strang von dem unausweichlichen und immer in Gewalt mündenden Befreiungsschlag der Schöpfung nur ein Teil der Geschichte, aber nicht das Hauptaugenmerk. Vielmehr schockierender sind die ethischen Fragen, die sich ergeben, als die DREN (die Szene mit der Namesgebung war eine schöne Szene mit einem Augenzwinkern an das Zielpublikum) im Laufe der Entwicklung immer menschlicher wurde und für beide Wissenschaftler als eine Art Ventil oder besser Derivat herhalten musste. Und in den herausfordernden Bildern ist Natali nähert sich seinen Figuren mehr näher an, als in den herkömmlichen Exposition.

„Splice“ kommt am 03.06.2010 in die deutschen Kino und bekommt von mir eine Empfehlung, allerdings muss man sich im klaren sein, dass dies kein gewöhnlicher Horrorfilm ist. Beim breiten Publikum kann er durch seine verstörenden Szenen und Vermeidung von gängigen Horrorklischees schon auf Ablehnung stoßen.

Daybreakers

Hinter „Daybreakers“ steckt die konsequent zu Ende gedachte Idee, was geschehen würde, wenn beinahe die gesamte Menschheit zu Vampiren geworden ist. 10 Jahre sind seit der Erstinfektion vergangen und das alltägliche Leben verlagert sich in die Nacht. Blut wird zum Rohstoff Nummer 1. Ein Monopol in den USA auf dieses Saft hat die Firma von Sam Neill, die die letzten freien Menschen jagen lässt. Und da sich Menschen aufgrund des freien Willens nicht züchten lassen wollen, erleben sie den Rest ihrer Tage als Blutkonserven in Matrix ähnlichen Lebenerhaltungseinrichtungen.

Ein Wissenschaftler dieser Firma ist Ethan Hawke, der im Gegensatz zu vielen seiner Mitvampiren dem untoten Dasein nicht viel abgewinnen kann und an einem künstlichen Blut als alternativ Nahrungsquelle forscht. Seine menschenfreundliche Ader lässt ihn zwischen die Fronten geraten, als auf auf eine Gruppe von sterblichen Rebellen trifft. Diese scheinen einen Trumpf im Ärmel zu haben, der den Verlauf der jungen Vampirgeschichte ändern kann.

„Daybreakers“ etabliert die hypothetische Welt sehr gut und bietet einen Willem Dafoe im besten Mainstream Modus, der der Ernsthaftigkeitder zu Beginn dargelegten Parabeln zur Rohstoffknappheit des Planet und der Macht der Wirtschaft und dem Rest der Besetzung entgegensteht. Häufig sieht man Dafoe ja nicht als Comic Relief, hier hat man die Chance. Nicht jeder One Liner sitzt, aber Spaß macht er schon. Ebenso gibt es einige nette Splattereinlagen, die aber leider nicht die zweite Hälfte des Films retten können. Der Widerstandskampfteil der Geschichte kommt doch sehr konventionell daher und kann der schönen Prämisse nicht standhalten. Dazu bleibt Ethan Hawke als letzte Hoffnung der Menschheit zu blass und die Hauptteil der Rebellen zu austauschbar.

Zu folgenden Filmen kommen noch Meinungen: [rec] 2, Red Riding: 1974, The Collector, Survival of the Dead und Heartless


Weitere Filme des Festivals, die ich allerdings nicht gesehen habe:

Sumer Wars

Shock Labyrinth: Extreme – 3D

La Horde

2 Comments

  • 8. April 2010 - 04:24 | Permalink

    Habe noch einen anderen Trailer von Splice gesehen und muss sagen, dass die Trailer wirklich Lust auf mehr machen. Gerade Adrien Brody lässt auf einen soliden Film hoffen, auch wenn er mir in diesem Genre total strange vorkommt.

  • 8. April 2010 - 18:10 | Permalink

    Ich habe Daybreakers auch schon gesehen (lief hier in UK Anfang des Jahres im Kino) und fand ihndurchaus unterhaltsam. Allerdings schienen sich die Spierig Brüder ein wenig uneins gewesen zu sein, welches Genre sie denn nun bedienen wollen: der Anfang erinnerte sehr an einen Film noir, der Mittelteil war ein bißchen Action-Comedy und zum Schluß wurde dann die Splatterkeule rausgeholt.

    Die Story war teilweise in der Tat wirklich sehr konventionell mit dem üblichen Wendungen umgesetzt, die Grundidee aber fand ich schon gut und innovativ. Ich kann nicht sagen, das ich mich im Kino gelangweilt hätte und würde ihn mir sogar nochmal auf DVD angucken. 3 von 5 Sternen.

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