Filmbesprechungen

The Exploding Girl

The Exploding GirlÜber die Semesterferien kehrt die 20 jährige Studentin Ivy (Zoe Kazan) nach Brooklyn zurück, wo sie aufgewachsen ist. Im Schlepptau hat sie ihren Jugendfreund Al (Mark Rendall), den sie bei ihrer Mutter mit aufnimmt. Ivy leidet an juveniler myoklonischer Epilepsie, einer Form Epilsespie, die sich im Jugendalter manifestiert. Durch Vermeidung von Stress und Alkohol hat Ivy die Krankheit einigermassen im Griff hat. Al hat Ivy mit dieser Einschränkung kennen gelernt und die alte Vertrautheit zwischen den beiden kommt ihn den Tagen zwischen Nebenjob, Abhängen im Park und Partynächten schnell wieder auf. Ivy verbringt die meiste Zeit allerdings am Handy, denn ihr fester Freund von der Uni hatte einen Unfall und muss ihm Krankenhaus bleiben. Mit ihm wurde eine Studienkollegin eingeliefert, die auch verwickelt war und der aufmerksame Zuhörer hört schon beim ersten Telefonat, dass dort was im Busch ist.

Bezeichnenderweise bricht die im Film behandelte Art der Epilepsie in den meisten Fällen bei Jugendlichen im Alter zwischen 12-18 aus, jene stürmische Zeit der Pubertät, in der man mehr auf der Suche ist, als das man etwas findet. Eine Gefühlsexplosion jagd die nächste. Diesen Bezug zu dem plakativen Titel, den Regisseur Bradley Rust Gray bewusst gewählt hat, führt in die Irre. Denn einen ruhigeren Film als „The Exploding Girl“ bekommt man dieses Jahr nur schwer zu sehen.

Inhaltlich wird dem Zuschauer nicht viel Fleisch geboten. Vielmehr wird er zum Beobachter, wie Ivy durch die Strassen und Parks Brooklyns treibt und am Telefon versucht, ihre junge Beziehung zu retten. Die von ihr passiv geführten Gespräche deuten dabei auf eine klare hierarchische Struktur in der Partnerschaft hin und lassen ihre Abhängigkeit erkennen. Deutlich wird diese, wenn Ivy verzweifelt auf die Anrufe von Greg wartet und ihr Lebensmittelpunkt beinahe ausschließlich aus Warten besteht. Kurze Momente, wie ihr Nebenjob als Leiterin einer Kindergruppe oder ein Routinebesuch beim Arzt, lassen einen Blick auf ihr Leben zu. Al hingegen verbringt viel Zeit auf Partys, lässt sich von Ivy Sehenswürdigkeiten zeigen und erzählt ihr begeistert von seinem Studium. Als alter Freund bleibt er bei Ivy auf gewohnt kumpelhafter Distanz und lässt sich auf diverse Flirts, die er jedoch eher planlos verfolgt.

Im Park

„The Exploding Girl“ kann man als eine Art junger Mumblecore verstehen, mit Darstellern, denen manchmal die richtigen Worte fehlen. Der aus vielen kurzen Augenblicken bestehende Film wurde mit unaufdringlicher Handkamera gefilmt und geben den Akteuren reichlich Raum für Improvisationen. Die langen und oft auch ereignisarmen Sommertage werden spürbar. Die erste Liebeserklärung von Al kommt daher auch oberflächlich sehr unspektakulär daher. Genaugenommen fallen über die 75 Minuten Laufzeit nur wenige bedeutsame Worte, davon die meisten in der cineastischsten Szene bei einem Taubenschlag über den Dächern von Brooklyn, die auch für das Postermotiv benutzt wurde. Dieser als Klimax positionierter Moment ist für Ivy eine Wendepunkt, auch wenn sie ihn zu dem Zeitpunkt nur unbewusst spürt.

Die Geduld, die einem der Film abverlangt, zahlt sich am Ende aus. Mit seinem halboffenen Ende wird der Zuschauer entlassen und hat das Gefühl eine genaue Beobachtung vom Erwachen der Ernsthaftigkeit der Liebe gesehen zu haben. Wer sich also auf eine ehrliche Liebesgeschichte einlassen kann, darf sich auf einen lohnenswerten Sommerbesuch in New York freuen. Die leisen Höhepunkte muss man fühlen, sie werden nicht auf einem Silbertablett serviert, haben aber dadurch eine tiefere und bleibende Wirkung. Am Ende verlasst mit guten Bekannten die Stadt und durfte beim Pflanzen einer neuen Liebe zusehen, die durch die lange Verbundenheit der beiden tiefe Wurzeln schlagen kann. Eine stumme Explosion gibt somit am Schluß doch noch zu sehen.

Ob der Film in eurer Nähe spielt, könnt ihr auf dieser Seite erfahren.

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