Filmbesprechungen

Splice – Das Genexperiment

Das Vincenzo Natali „„>Splice“ morgen in den deutschen Kinos startet und ich diesem gelungenen Genrebeitrag etwas mehr Aufmerksamkeit zukommen lassen möchte, habe ich nochmal meine Eindrücke zu dem Film von den „Fantasy Filmfest Nights“ nach oben geholt.

Der Film, der mich in erster Linie nach Köln fahren liess, war „Splice“. Ich bin ein großer Verteidiger der Filme von Vincenzo Natali („Cube„, „Cypher„, „Nothing„), so daß ich sehr gespannt war, wie sein Interpretation eines Genhorrorfilms aussehen würde und wurde überrascht, dass sich der Horror in Grenzen hielt aber zum Teil moralische Fragen aufgeworfen wurden, die man bisher noch nicht so häufig umgesetzt gesehen hat.

Sarah Polley und Adrien Brody spielen ein Genwissenschaftler Paar mit Rockstarattitüde, die aus dem Erbmaterial vieler nichtmenschlicher Spezies eine neue Lebensform geschaffen habe, die für die Medizin den Durchbruch darstellen soll. Ergebnisse müssen schnell her, sonst wird ihr Labor geschlossen. Den ultimativen Schritt, nämliche menschliche DNA in das Experiment einfliessen zu lassen, und somit eine höhere Erfolgsrate bei der Produktgewinnung zu erreichen, lehnt der Vorstand des Konzerns aus ethischen Gründen (noch) ab. Das hält die beiden jedoch nicht auf, sie führen den Versuch im Geheimen durch – mit bahnbrechenden Erfolg. Eine neue Lebensform entsteht, die in den Wissenschaftlern verborgende Seiten zu Tage bringt.

Es ist spannend zu sehen, wie Natali aus dem potentiellen Horrorstoff nicht den Cronenbergschen Weg des Bodyhorrors geht, sondern zu einem großen Teil an den Konsequenzen für die Schöpfer interessiert ist. Etwas typisch für den Regisseur ist, daß die Charaktere durch ihre essentielle Rolle im Dienste der Geschichte an Glaubwürdigkeit verlieren. Ein Natali Film ist auch immer ein Film mit Blick auf das große Ganze, so daß man schon mal einen Schritt zurück treten muss. Dabei bleibt natürlich eine differenzierte Charaktereinführung etwas auf der Strecke. Gerade Sarah Polleys Figur mit ihrem angedeuteten Trauma wirkt eher wie ein Kniff für das Drehbuch. Ich kann diese zeitweilige Distanz zu den Protagonisten allerdings sehr gut verschmerzen, den Natali geht das Thema des Wissenschaftshorrors sehr vielschichtig an. Dabei bleibt der Strang von dem unausweichlichen und immer in Gewalt mündenden Befreiungsschlag der Schöpfung nur ein Teil der Geschichte, aber nicht das Hauptaugenmerk. Vielmehr schockierender sind die ethischen Fragen, die sich ergeben, als die DREN (die Szene mit der Namesgebung war eine schöne Szene mit einem Augenzwinkern an das Zielpublikum) im Laufe der Entwicklung immer menschlicher wurde und für beide Wissenschaftler als eine Art Ventil oder besser Derivat herhalten musste. Und in den herausfordernden Bildern ist Natali nähert sich seinen Figuren mehr näher an, als in den herkömmlichen Exposition.

„Splice“ kommt am 03.06.2010 in die deutschen Kino und bekommt von mir eine Empfehlung, allerdings muss man sich im klaren sein, dass dies kein gewöhnlicher Horrorfilm ist. Beim breiten Publikum kann er durch seine verstörenden Szenen und Vermeidung von gängigen Horrorklischees schon auf Ablehnung stoßen.

[rating:3.5]

Trailer

6 Comments

  • 2. Juni 2010 - 16:50 | Permalink

    Ich fand den Film ziemlich trashig. Ich wollte raus aus dem Kino, als Clive plötzlich DREN bestiegen hat. o_O

  • 2. Juni 2010 - 16:54 | Permalink

    Bei der Szene haben sich in unserer Vorstellung auch die meisten Leute gewunden. Aber das der Film an solche Orte geht, finde ich gut und rechne ich Natali hoch an. Trashig wäre jetzt kein Wort, mit dem ich den Film beschreiben würde.

  • 2. Juni 2010 - 20:47 | Permalink

    verdammt, jetzt bin ich vorbereitet ^^

  • 2. Juni 2010 - 21:21 | Permalink

    @amo – ach der Film ist so vielschichtig, das ist nur ein aspekt.

  • Svenska
    9. Juli 2010 - 23:18 | Permalink

    Einer der kranksten Filme die ich je gesehen habe, … irgendwie im Nachhinein noch fesselnd.. den muss man gesehen haben!

  • 19. Juli 2010 - 16:39 | Permalink

    Dann gehen wir da mal rein. Cypher fand ich besser als Nothing und Cube. Nur das Ende war billigstes CGI. Mamma Mia.

    Mikkai

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