Filmbesprechungen

Twitter Filmclub: Empire of the Sun (Steven Spielberg, 1987)

Vor 10 Tagen ist aus einer Filmdiskussion das Tumbleblog „Twitter Filmclub“ enstanden. Lasst euch nicht von dem etwas muffigen Namen abschrecken, den vom klassischen „deutschen“ Clubggedanken ist hier nicht viel zu finden. Vielmehr hat sich eine Gruppe von Filminteressierten auf Twitter gefunden, die sich nun nach Abstimmung Filme vorschlagen. Danach wird dann zwanglos darüber geschrieben, jeder so, wie es ihm/ihr gerade liegt. In diesem Rahmen war folgender Text mein erster Beitrag.

Als junger cinema Leser erinnere ich mich gut an das ikonische Bild von Christian Bale, der ein Modelflugeug hochreisst und vor der untergehende Sonne auf die Kamera zuläuft. Das war 1987. Gesehen habe ich „Empire of the Sun“ damals nicht, obwohl ich im richtige Alter war, ungefähr so alt wie Bale im Film. Für die Eigeninitiative schien mir das Kriegsthema zu trocken und leider hat damals niemand abgleitet, Empire doch in Kino zu sehen. So blieb er 25 Jahre DER ungesehene Spielberg Film.

Basierend auf den Erinnerungen von Autor J. G. Ballard steht in großen Leuchtbuchstaben „Der Verlust der Unschuld“ über dem Film. Das zweite Aushängeschild ist der junge Christian Bale, der den Film fast ganz alleine trägt und so gut wie in jeder Szene zu sehen ist. Faszinierend ist seine Verwandlung vom verwöhnten Industriellensohn, der auch noch beim sich ergeben Manieren beweist („I’d like to surrender, please.“) zum Tausendsassa im Kriegsgefangenenlager zu beobachten. Man kann ihn förmlich beim Reifen zusehen, das durch eine nicht gerade vorbildliche Vaterfigur in Person von John Malkovich, maßgeblich beeinflusst wird. Malkovich spielt hier im Vergleich zu seinen späteren Figuren sehr zurückgenommen und der Opportunist Basie, der jede Gelegenheit zu seinem Vorteil ausnutzen will, ist auch eher untypisch für ihn. Spielberg führt diese Rolle wunderbar ein, indem er sie erst nur im Schatten zeigt, dann mit Pilotenbrille, die fast das ganze Geischt verdeckt, bevor er ihn schließlich zeigt. Ein wenig mußte ich da die Konventionen von Horrorfilmen denken: „Zeige niemals sofort das Monster.“ – Ein Kniff, den Spielberg in „Jaws“ perfektioniert hat und durch den der Einfluß von Basie auf den elternlosen Jamie deutlich wird.

Ich habe gelesen, dass „Empire of the Sun“ der erste Kinofilm ist, der nach dem 2. Weltkrieg in China gedreht wurde. Das kommt dem Film sehr zu gute. Die Originalschauplätze sind ausnahmslos atemberaubend. In einer Szene, die während der Invasion der Japaner stattfindet, findet sich orientierungslos vor einem Plakat von „Gone With the Wind“ wieder. Ein cineastischer Verweis, der wirklich nicht weit hergeholt ist, den die Szenen mit den zahllosen Statisten stehen denen in dem Bürgerkriegsdrama in nichts nach. Gleichzeitig wirkt diese Szene auch sehr irreal, man sieht den Schrecken des Krieges mit seiner kinoreifen Ausschlachtung auf dem gigantischen Gemälde und gleichzeitig findet auf den Straßen der echte Schrecken statt. Für uns als Zuschauer natürlich wieder nur auf der Leinwand, die Metaebene ist eröffnet.

Von Beginn an hatte „Empire of the Sun“ bei mir leichtes Spiel. Wie viel andere Lieblingsfilme („The Spirit of the Beehive„, „To Kill a Mockingbird“ „In America“ um nur zwei zu nennen) bedient er sich der Erzählweise aus Augen eines Kindes. Spielberg verkneift es sich – das ist sicher auch der Vorlage zu verdanken – auf die verzweifelte Suche der Eltern zu zeigen. So wird Jamies Entfremdung zu seinen Eltern auch für den Zuschauer nachvollziehbar. Die fast schon spielerische Leichtigkeit, mit der Jamie die Gefangenschaft zu seinem Vorteil nutzt, wird mit der Stürmung des Camps beendet und Jamie bekommt immer mehr die tödlichen und auch willkürlichen Auswirkungen des Krieges zu spüren. Diese kulminieren in dem metaphysischen Moment der Atombombenzündung. Der Beginn einer neuen Zeit, sowohl für Jamie, als auch den Verlauf des Krieges und der Menschheit. „I learned a new word today: Atom Bomb.„. Und ich habe einen neuen tollen Film gesehen. Danke #twitterfilmclub.

2 Comments

  • 24. September 2012 - 11:53 | Permalink

    Ist ja auch ein wirklich toller Film, der leider viel zu sehr untergeht in Spielbergs Schaffen.

  • 27. September 2012 - 11:16 | Permalink

    Gigantisch…!

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