Filmbesprechungen

The Cook, the Thief, His Wife and Her Lover (Peter Greenaway, 1989)

Im Twitter Filmclub ging es für mich mit „The Cook, the Thief, His Wife & Her Lover“ von Peter Greenaway weiter. Dabei habe ich mich schwer getan, die passenden Worte zu finden. Gestern habe ich mich dann hingesetzt und meine Gedanken so aufgeschrieben, wie sie herauskamen. Folgender Text ist dabei herausgekommen. Der nächste Film, den ich dort besprechen werde ist „Der Knochenmann“ von Josef Hader.


Lange hadere ich schon mit dem Text zu „The Cook, the Thief, His Wife & Her Lover„. Schon kurz nach dem Film machte ich mir Stichpunkte, um für die Besprechung etwas in der Hand zu haben. Das war allerdings gar nicht nötig, den der Film brennt sich ins Gehirn ein. Damit meine ich nicht nur das schockierende Ende, das mich trotz Wissen um den Ausgang tief in der Magengrube getroffen hat. Dieser Effekt beruht auf einer Vielzahl von Elementen, aus denen Greenaway seinen Film formt. Am auffälligsten ist sicher die bühnenmässige Inszenierung, an die ich mich erst gewöhnen mußte, aber später durch die fließende Kameraarbeit Sinn machte. Denn der Übergang zwischen Küche und Speisesaal könnte nicht besser dargestellt werden, als durch das Aufschwingen einer Tür und man befindet sich auf einemal in einem komplett neuen Daseinszustand.

Weil der Film viel Theateratmosphäre versprüht ist das Bühenenbild hier von besonderer Bedeutung und hier wurde ganze Arbeit geleistet. Von der fantasischen Beleuchtung, die jedem Set eine komplette unterschiedliche Atmosphäre verliehen haben, bis zur Ausstattung. Ein zentrales Element des Films ist das oben zu sehende Gemälde des Mittelaltermalers Frans Hals, das in seiner hyperrealistischen Darstellung für mich eine verstörend morbide Austrahlung hat. Und nach diesen Motiv hat Greenaway auch seinen Film gestaltet, dass auch auf mich eine ähnliche Wirkung hat. Michael Nymans tragende Filmmusik unterstütz diese Stimmung, die Musik wird man immer mit den Bilder des Films verbinden.

Jegliche optische Opulenz und künstlerischer Anspruch lassen vielleicht darauf schließen, dass der Film emotional nicht funktioneren mag. Das war aber bei mir nicht der Fall. Zu verdanken ist das der Figur von Hellen Mirren als „Wife“. Ihre Verstrickung und Flucht aus ihrer Ehe mit dem gewaltätigen Ehemann („Thief“) hat mich sehr berührt, was eben auch das Ende so stark machte. Der „Thief“, der auch gleichzeitig der Restaurantbesitzer ist, stellt einen der vielleicht furchterregensten Charkater der Filmgeschichte dar, weil er so unberechenbar ist. Es gab nicht selten Momenten wo ich rufen, wollte: „Es reicht, aufhören!“. Verschont wird hier niemand. Willkürlich greift er auch seinen wohl situierten Gäste an, wenn sie ihm auf seinen nicht gerade langen Geduldsfaden treten.

Der Film ist bekannt, dafür viele Interpretationsebenen zu haben, was den klar umrissenen Charkteren zu verdanken ist. Ob politisch, religiös, kulturell oder gesellschaftlich – es wird genug Gesprächsstoff für einen langen Abend geboten. Auch hat mir der kurze Metamoment gefallen, in dem der „Lover“, nachdem er über die erste halbe Stunde eine Affäre ohne Worte mit Hellen Mirren hatte, eben auf diesen Zauber des Kinos einging und bemerkte, dass Worte ihrer leidenschaftlichen Beziehung der Magie berauben. Interessant aus der Munde eines Mannes, der sein Lebensunterhalt mit Büchern verdient – er ist Bibliothekar.

Trailer

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