Filmbesprechungen

Nachschlag des #horrorctober mit Top 5

Der #horrorctober war ein voller Erfolg. Auf Twitter und Letterboxd fanden sich viele Filmfreunde unter der Flagge des Hashtags zusammen, um einen Monat lang den Horrorfilm zu feiern. 13 Film waren angesetzt, die locker zu schaffen waren. Im folgenden findet Ihr meine Top 5. Alle Teilnehmer der Aktion findet Ihr bei filmosophie.com.

5. Grabbers (John Wright, 2012)

Auf Platz 5 treffe ich einen lieben bekannten wieder. Richard Coyle, den ich in “Coupling” als Jeff Murdock lieben gelernt habe, ist hier als heruntergekommener, alkoholabhängiger Polizist auf einer kleinen irischen Insel zu sehen. Und er spielt das so gut, dass man seine Jeff-Persona ganz schnell vergisst, toll. Der Film selbst stellt sich als eine Creature Feature Comedy heraus.

Die Insel wird von Monstern aus dem Meer mit langen Tentakeln heimgesucht. Es entwickelt sich ein Kampf zwischen Dorfgemeinde und den glitschtigen Kreaturen, den man wohl am besten mit “Local Hero” trifft “Tremors” beschreiben kann. Dabei kommt einen “Geheimwaffe” zum Tragen, von der ich hier nicht zu viel verraten möchte, dass würde den Spaß verderben. Den Spaß macht der Film, auch wenn er wohl nicht sehr lange im Gedächtnis bleibt, kann aber mit einem sympathischen Protagonistenpaar aufwarten. Man achte auf die Aliens Referenz im finalen Kampf – wunderbar.

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4. Santa Sangre (Alejandro Jodorowsky, 1989)

Alejandro Jodorowsky inszenierte mit “Santa Sangre” einen surrealistischen Bilderreigen, der sich als wilder Genremix herausstellt. Besonders die erste Hälfte hat es mir angetan, die ein Netz an Bildkompositionen spinnt, die sich im Laufe des Films noch logisch verknüpfen. Die zugrunde liegende Geschichte ist nicht wahnsinnig komplex, wird aber durch Inszenierung auf eine Ebene gehoben, die man als pures Kino beschreiben muss. Der treibenden Kraft der Handlung liegt ein Trauma der Hauptperson zugrunde, die als Kind mit ansah, wie sein Vater der Mutter die Arme abtrennte. Eine Akt, der in Rahmen des Filmes eine besondere Bedeutung hat. Die Mutter gehörte einem religiösen Kult an, der ein Mädchen als Heilige anbetete, dessen Arme im Laufe einer Misshandlung abgeschnitten wurde. Der Ort an, dies geschah, hinterließ das titelgebende “Heilige Blut”, dass auch viele Jahre nach der Tat scheinbar noch sprudelt.

Der Film springt durch zwei Zeitebenen und zeigt den Sohn später als Vogelmensch in einer Anstalt, ein Zustand, den diese Trauma und sein Aufwachsen im Zirkus hervorgerufen hat. In der zweiten Hälfte des Filmes, die mir nicht mehr ganz so gut gefiel, zeigt der Film Elemente eines Slashers. Man wird Zeuge von Rachemorden, wobei die Identität des Killers im Dunkeln gehalten wird.

Was mir gefiel, war wie auch am Ende mit dem Bild der Armlosigkeit gespielt wurde. Der Sohn flüchtet auf Drängen seiner Mutter aus der Anstalt und entwickelt mit ihr eine Varieté Nummer, bei der er ihre Arme ersetzt. Überraschend wird diese Verbindung am Ende aufgelöst, so dass auch diese Hälfte des Films für mich zu einem versöhnlichen Ende kommt.

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3. Night of the Hunted (Jean Rollin, 1980)

Jean Rollin ist ein Regisseur, dessen Werke ich immer gerne sehe. Die narrative Ebene ist jedoch niemals die Stärke seiner Filme. Für mich sind seine Filme verfilmte Träume, er hat mit seinen Arbeiten mein Bild vom Horror stark geprägt, ebenso brachte er die sexualisierte Seite des Genres stark in den Vordergrund, was sicher in den 70er und frühen 80ern zu einem großen Teil auch ein ein Tribut an das Publikum des späten “Bahnhofskino” war.

In der Hauptrolle sehen wir Brigitte Lahaie, die zuvor schon weitere Rollin Filmen mit ihrer faszinierenden Aura verstärkte. Sie wird zu Beginn des Nachts ohne Erinnerung von einem Autofahrer scheinbar auf der Flucht mit nach Hause genommen. Es stellt sich heraus, dass sie ohne Langzeitgedächtnis ausgestattet ist. “Aus den Augen, aus dem Sinn” gilt bei ihr nicht nur übertragen. Sie kann sich an nicht an ihren Namen erinnern und nicht wo sie herkommt. Und neue Bekanntschaften und Erfahrungen verblassen ebenso, sobald sie nicht mehr verfügbar sind.

Das Geheimnis um diesen Zustand, der an “Memento” erinnert, findet sich in einem Hochhaus, das wie eine Monolith in einer urbanen Umgebung hervorragt. Hier merkt man auch den größten Unterschied zu vielen von Rollins vorherigen Horrorwerken. Hier gibt es keinen gotischen Horror in Seidengewändern. Der Film nähert sich eher zaghaft an das seinerzeit populäre Zombiegenre, bleibt aber originell genug, um nicht als Trittbrettfahrer zu gelten. Ich finde, durch das kalte, beinahe menschenleere Setting inner- und außerhalb des turmähnlichen Gebäudes, hat durchaus metaphorische Ansätze zu bieten und braucht sie hier nicht vor der Botschaft des konsumkritischen “Dawn of the Dead” zu verstecken. In einer wunderschönen Endsequenz wandern die Protagonisten gemeinsam in den Sonnenuntergang, aber mit einem Twist. Gerade dieses Ende ist auf wunderbar unterschiedlich auslegbare Weise zu verstehen, die den Film sehenswert macht.

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2. Sleep Tight (Jaume Balagueró, 2011)

Das ist ein richtiger fieser Film auf Platz 2. “Sleep Tight” (OT: „Mientras duermes) bohrt sich in der Kopf des Hauptdarstellers, dessen moralische Wertvorstellung aufgrund seines Zustandes, keine Freude zu empfinden, auf den Kopf gestellt sind. Weil er selbst nicht glücklich werden kann, will er andere auf sein Level hohlen. Als Portier eines Wohnhauses stehen ihm auch viele Möglichkeiten offen, den Bewohner das Leben unbemerkt zur Hölle zu machen. Nur bei einer Mieterin scheint er zunächst auf Stein zu beißen, kommt sie doch immer noch jeden Morgen mit einem Lächeln aus dem Fahrstuhl.

Was folgt, ist ein Lehrstück in Sachen Empathie im Film. Obwohl man eindeutig weiß, dass das Handeln der Hauptperson abgrundtief böse ist, erwischt man sich, wie man in brenzligen Situationen auf einen Ausweg für ihn daraus hofft. So wird man durch diesen Perspektivenwechsel natürlich auch zu Mittäter und nicht nur zum Beobachter — eine Balance, die der Film meisterhaft umsetzt.

Auch hat mich die Hauptperson an Karlheinz Böhm in “Peeping Tom” erinnert, ein weiterer Film, der sich ganz mit einer Figur befasst, die Böses tut, aber nach außen einen harmlosen Anschein hat und besessen von einer Idee ist. “Sleep Tight” ist vielleicht der abgründigste Film des Monats gewesen.

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1. Confessions (Tetsuya Nakashima, 2010)

Kein klassischer Horrorfilm hat es auf den ersten Platz geschafft. In “Confessions” (OT: Kokuhaku) geht es um Trauer, Rache und Schuld. Aus verschiedenen Perspektiven wird die Geschichte eines Verbrechens und dessen Ursache aufgedeckt, beginnend mit der perfiden Racheaktion einer Lehrerin, welche zwei Schüler, die für den Tod ihrer Tochter verantwortlich sind, mit dem HIV-Virus infiziert.

Es folgen ein in Kapitel aufgeteiltes Psychogramm aller Betroffen dieser Kette von unglücklichen bis selbstverschuldeten Umständen und deren Auswirkungen. Und es wird klar, dass es keine eingliedrige Kette ist. Die Gründe für die Verbrechen liegen viel tiefer vergraben. Ebenso entsteht durch die Rache der Lehrerin ein weitere nicht vorsehbare Reihe von Ereignissen, dass einem schwindelig wird. Das macht “Confessions” zu einem heißen Kandidaten für eine weiderholte Sichtung und das ist für mich immer ein untrügliches Zeichen, dass ein Film bei mir eine große Wirkung gezeigt hat.

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Enttäuschend war:

The Lords of Salem (Rob Zombie, 2012)

Wie bei Rob Zombie üblich, ist dieser Film wieder eine Zitatensammlung eines Genres. Diesmal vergreift er sich an Hexenmythen und fügt eine Prise “Rosemarys Baby” hinzu. Leider ist das alles nicht sehr originell und wirkt zu allem Übel dazu noch sehr überambitioniert. Der Film erstickt quasi an seiner Bilderflut und scheint in seiner letzten Viertelstunde eine Filmversion des “Heart Shaped Box” Videos zu sein. Er deutet zwar mehrschichtige Interpretationsebenen an, aber das haben andere Filme vorher geschickter angestellt. Ich habe vor kurzem den mexikanischen Film „Alucarda“ gesehen, der mit einfacheren Mitteln die Hölle auf Erden zeigt. Ich hoffe, Zombie macht sich Notizen.

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Und der Rest liegt demnach in der Mitte.

Die komplette Lister meiner 13 Filme: http://letterboxd.com/peternoster/list/horrorctober-13-horrorfilms-to-halloween/

2 Comments

  • 9. November 2013 - 17:43 | Permalink

    „Grabbers“ klingt toll. Ich liebe „Coupling“ und finde „Tremors“ großartig. Sollte ich also mal dringend schauen. Dass Rob Zombies Hexengedöns nix wird, hatte ich mir schon gedacht…

    • 10. November 2013 - 13:20 | Permalink

      Ja, gib „Grabbers“ mal eine Chance. Kurzweilig ist er allemal. Lords of Salem war echt enttäuschend, vor allem weil ich Zombies vorherige Filme Filme gut bis ok fand.

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