Filmbesprechungen

Inside Llewyn Davis (Ethan & Joel Coen, 2013)

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Willkommen in einem neuen Mikrokosmos der Coen Brüder. Dieses Mal verschlägt es uns in das New York der frühen 60er Jahre zur Zeit des Höhepunktes des amerikanischen Folkrevivals. Und mittendrin Llewyn Davis, der sich mit Gelegenheitsauftritten und ohne festen Wohnsitz mehr schlecht als recht über Wasser hält. Er ist auf die Gunst seiner Musikerkollegen und intellektuellen Bekannten angewiesen. Echte Freunde kann man diese nicht nennen. Die Musiker scheinen eher aus Loyalität zusammen zu ihm halten und der Universitätsprofessor steht ihm aus Gutmutigkeit und einer nicht näher beschriebenen gemeinsamen Vergangenheit, die das durch Selbstmord aufgelöste Duo von Llewyn betrifft, zu ihm. Eine Woche begleiten wir Llewyn Davis und diese Woche bringt ihn an den Rand einer Entscheidung, ein letztes Aufbäumen vielleicht und eine Einsicht.

Der Film zeigt unverblümt, wie frustrierend es für Musiker ist, trotz unverkennbaren Talents, der Willkürlichkeit des Musikbusiness ausgesetzt zu sein. Andererseits suhlt sich LLewyn Davis auch in seiner Rolle als leidender Künstler, von der er keinen Schritt abweichen mag. Zwei Chancen im Film lehnt er ab, die einen gesichertes Einkommen versprechen. Doch ein bleibt lieber der selbstgewählte “einsame Wolf”. Ausgelöst wurde dieses Enigma offensichtlich durch den Selbstmord seines Duett Partner, was sich in verschiedenen Szenen äußert, aber nie komplett ausgesprochen wird. In einem Wendepunkt des Films gibt ihm ein Musikproduzent den Rat, sich wieder mit seinem Partner zusammen zu tun, da er nun mal kein Solokünstler sei. Leewyn antwortet nur mit “Das ist ein guter Rat.”

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Im Gegensatz zum Trott, in dem sich der Protagonist befindet, scheint der Film durch die Wahl der Farbpalletten und Kamerafilter in der einer Parallelwelt stattzufinden, was ja nicht unüblich für die Figuren der Coens ist. Ein leichter Weichzeichner wirkt nahezu entrückend, beinahe ätherisches, wäre da nicht gleichzeitig die gnadenlos kalten schneebedeckten Straßen auf Llewyns Odyssee, die einen wieder auf den Boden der Tatsachen zurück holen.

Und so darf man hier auch keine Geschichte vom musikalischen Durchbruch erwarten. Vielmehr beschäftigt sich der Film exemplarisch mit den tausenden Musikern, die es nicht schaffen und wie dies es dann auch zu schaffen macht. Das ständige Tingeln durch die gleichen Clubs, das mulmige Gefühl, dass man man damit nicht alleine ist und die Unfähigkeit, trotzdem in ein geregeltes Leben zurückzukehren. Lose basierend auf der Biographie von Dave van Ronk, brilliert Oscar Issac in der Titelrolle, der in jeder Szene zu sehen ist. So wie er Llewyn spielt, erwartet er keine Mitleid oder gar Mitgefühl. Als Egozentriker verbaut er sich den Bezug zu seinem Umfeld, dass er im Prinzip nur für Schlafgelegenheiten ausnutzt. Umso erstaunlicher ist es, was für ein Gefühl und Schmerz er in die Songs reinlegt, die wirklich sehr schnell ins Ohr gehen. Das Lied im Abspann habe ich noch lange hinterher gesummt.

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Die Woche, in der wir Llewyn begleiten, wird episodisch gezeigt und mutiert kurzzeitig auch zum klassischen Roadmovie mit einen John Goodman als Jazzer, der mit seinem enigmatischen Fahrer in den für die Coens typischsten Szenen zu sehen ist. Alleine für diese Sequenzen lohnt sich der Film, vor allem wie Goodman die simplifizierten Kompositionen der Folk Musik ins Lächerliche zieht.

Gespickt mit Fußnoten, Anspielung und Allegorien ist “Inside Llewyn Davis” ein klarer Kandidat für wiederholtes Schauen und siedelt sich im Gesamtwerk der Coens im oberen Viertel an. Man bekommt auf den Punkt besetzte Nebenrollen, ein Skript voller Deutungsmöglichkeiten und ein perfektes Ende geboten. Denn das haben die Coens wie kaum jemand anders drauf.

Trailer
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2 Comments

  • 13. Januar 2014 - 17:34 | Permalink

    Uh. Echt? Ich – und meine Begleitung – habe den abgestraft. Der Film hat mir nichts gegeben. Meine Begleitung meinte als der Abspann durch war „Ich will mich jetzt umbringen“. Ganz verübeln konnte ich es ihr nicht. Ja, gut gemacht ist er. Die Aufnahmen sind toll. Aber noch einmal anschauen? Nicht freiwillig.

    Was lustig ist: Überall wird der Film in den höchsten Tönen gelobt. Alle finden ihn wahnsinnig toll. An mir ist das total vorbeigegangen … Geschmäcker halt.

    • 13. Januar 2014 - 17:38 | Permalink

      Ich denke, das liegt auch daran, das der Film überaus persönlich ist und ob der bei einem selbst anschlägt. Das hat er bei mir ganz stark gemacht und eine große Resonanz ausgelöst.

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